Rezension: 5-Minute Dungeon

Das große Paradox unserer Zeit ist, dass wir immer mehr technische Hilfsmittel haben, die uns Arbeit abnehmen und somit zusätzliche Zeit einbringen, aber wir uns gleichzeitig immer gestresster fühlen und niemand eigentlich mehr so richtig Zeit hat. Woran das auch immer liegen mag, Kosmos hat den Zahn der Zeit gefühlt und mit 5-Minute Dungeon ein Spiel herausgebracht, das wirklich in fünf Minuten abgehandelt ist und so in jede kleinste Zeitlücke passt, die wir uns gerade so erübrigen können.

Eckdaten

  • Spieleranzahl: 2 – 5
  • Alter: 8+
  • Spieldauer: 5 Minuten
  • Preis: EUR 24,99, hier auf Amazon bestellen

Spielmaterial

Spielsituation mit 3 Spielern

Spielsituation

Zugegeben, die Verpackung ist recht groß für das wenige Material. Wenn die Verpackung im Hosentaschenformat gewesen wäre, hätte sich 5-Minute Dungeon wirklich dazu geeignet, immer und überall gespielt zu werden. Kenner wissen aber, dass der Verlag extra viel Platz für etwaige Erweiterungen gelassen hat. Wir dürfen also gespannt sein, was die Zukunft bringt.

Was ist nun drin? Neben fünf Heldentableaus sind ebenso viele Bosstableaus mitgeliefert. Darüber hinaus ist für jeden Helden ein Deck mit entsprechender Farbrückseite bereit gestellt. Letztlich gibt es noch Dungeonkarten, wovon einige normale Dungeonkarten und einige Mini-Boss-Karten sind.
Nicht mitgeliefert ist eine Stoppuhr, die zwingend benötigt wird. Aber gerade heutzutage hat ja jeder eine im Smartphone.
Insgesamt ist das Material handlich, relativ robust und auch das Design und die Grafiken sind sehr hübsch anzuschauen.

Spielziel

5 Helden

Helden

In 5-Minute Dungeon machen sich bis zu fünf Helden gemeinsam in einen Dungeon, also ein Verlies, auf, um pro Runde einen der fünf Bosse zu besiegen. Dabei begegnen sie diversen Monstern, Mini-Bossen, Hindernissen, Personen oder stoßen auf seltsame Ereignisse. Ziel ist es, sich binnen fünf Minuten bis zu dem Boss vorzukämpfen und diesen dann zu besiegen. Es handelt sich also um ein kooperatives Spiel. Entweder gewinnen alle oder keiner.

Spielablauf

5 Bosse

Bosse

Die Regeln sind nicht allzu schwer. Der Kern liegt eigentlich in der Schnelligkeit und der Kommunikation der Spieler. Der Dungeon wird durch ein Kartenstapel dargestellt, der binnen fünf Minuten durchgeackert werden muss. Nacheinander wird eine Dungeonkarte aufgedeckt, welche gemeinsam von den Spieler besiegt oder überwunden werden muss. Dann erst kann die nächste Karte aufgedeckt werden, bis am Ende der Boss besiegt werden muss. Sollte eine Karte mal nicht überwunden werden können oder aber sollte die Zeit vorbei sein, dann haben die Spieler verloren.

Dungeonkarten: 3 Ereignisse, 1 Mini-Boss, 1 Person, 2 Hindernisse

Dungeonkarten

Wie werden Dungeonkarten nun besiegt? Jede Karte zeigt eine unterschiedliche Anzahl an diversen Symbolen, welche den Symbolen auf den Handkarten der Helden entspricht. Um beispielsweise den Zauberer mit schlechtem Ruf zu besiegen, sind vier Spruchrollen und zwei Sprünge notwendig. Nun müssen die Helden die geforderten Karten in die Mitte legen. Das geschieht alles gleichzeitig. Sollte genügend Karten beisammen sein, werden diese mitsamt der Dungeonkarte abgelegt und es wird mit der nächsten weitergemacht.

Spielkarten

Handkarten

Interessant ist, dass sich jeder der Helden auf ein Symbol spezialisiert. So hat der Paladin beispielsweise mehr Schilde in seinem Deck und die Jägerin mehr Pfeile. Außerdem wird nach dem Spielen einer Karte immer sofort nachgezogen. Sollte es dennoch dazu kommen, dass es der Heldengruppe mal an bestimmten Symbolen mangelt, kann jeder Held letztlich noch eine Spezialfähigkeit einsetzen, indem er drei Karten auf seinen Ablagestapel legt. Das bewirkt z.B., dass der Barbar sofort ein beliebiges Monster besiegt. Der Magier hingegen kann sogar die Zeit anhalten und der Gruppe eine kleine Verschnaufspause zur Koordination gönnen. Selbstverständlich bedeutet das, dass sich die Spieldauer dann ein wenig verlängert 😉

Insgesamt läuft eine Partie relativ hektisch aber sehr spaßig zugleich ab. Und keine Angst, es gibt insgesamt drei Schwierigkeitsstufen, sodass Neulinge sich erst einmal an den Mechanismus herantasten können und Profis sich hingegen gern am Dungeon-Overlord auf der Dungeon-Master-Stufe die Zähne ausbeißen.

Bewertung

Nun zur Abschlussbewertung. Hier nochmal ein Hinweis auf unsere Skala.

Kategorie Kritik Note
Spielspaß
(doppelt gewertet)
5-Minute Dungeon ist ein sehr erfrischendes Spiel, das auch den größten Spielemuffel allein aufgrund seiner kurzen Dauer überzeugt. Der kooperative Charakter und die Tatsache, gemeinsam das Spiel besiegen zu wollen, tun ihr übrigens. 10
Langzeitmotivation
(doppelt gewertet)
Im Moment gibt es fünf Bosse mit drei Schwierigkeitsstufen. Sollte man alles auf Anhieb schaffen, sind das gerade einmal 75 Minuten Spielspaß. Das ist natürlich nicht der Fall. Und so überzeugt das Spiel gerade aufgrund seiner Kürze auch nach längerer Zeit immer mal wieder ausgepackt zu werden. 7
Atmosphäre
(doppelt gewertet)
Die Fantasy-Welt ist sowohl lieblich als auch lustig gestaltet und erinnert ein wenig an Munchkin oder Ja, Herr und Meister. Leider bleibt einem aufgrund der Hektik kaum Zeit, sich mit dem hübschen Artwork zu beschäftigen. Das ist dann eher etwas für Genießer hinterher. Die Immersion in eine Fantasy-Welt ist also nicht so wirklich gegeben. 6
Innovationscharakter
(einfach gewertet)
Kooperative Spiele, zum Teil auch auf Zeit, gibt es einige. Ich erinnere da nur an die aktuelle Exit-Reihe aus dem gleichen Haus. Die Verknüpfung zu einem Fantasy-Setting ist aber zumindest mir neu und auf den ersten Blick hätte ich das Spiel auch eher den Heidelbären und nicht Kosmos zugeschrieben. Insofern ein großes Kompliment an die Erweiterung der Produktpalette! 7
Komplexität
(einfach gewertet)
Das Spiel ist beileibe nicht kompliziert. Die Mechanik haben selbst Kinder schnell verstanden. Je öfters man 5-Minute Dungeon aber spielt, umso mehr Feinheiten fallen auf. So ist bei zwei Spielern der Magier recht hilfreich, bei vielen Spielern sind wiederum Heldenfähigkeiten besser, die sofort eine Dungeonkarte besiegen. Auch, wenn ein Team sich nach ein paar Runden eingespielt haben sollte, merkt man, wie auf einmal alles flüssiger und einfacher wird. Insofern ist auf jeden Fall von der Komplexität her viel Luft nach oben. 7
Aufbereitung
(doppelt gewertet)
5-Minute Dungeon kommt mit viel Charme daher. Das Artwork ist mit Hingabe gestaltet worden. Ansonsten ist das Material eher Standard. Bis jetzt frage ich mich, wozu, neben dem Platz für Erweiterungskarten, der eine große Hohlraum in der Verpackung unter den Bosskarten dienen soll. Da hätte auf jeden Fall die Sanduhr hineingepasst, die für den Preis des Spiels mit drin hätte sein können. 6
Gesamtnote Alles in allem ein Spiel, das viel frischen Wind an den heimischen Spieltisch bringt. Der kooperative Charakter, der Spielspaß, das erfordernde Geschick und ein Hauch von Glück bei der Kartenverteilung machen 5-Minute Dungeon zu einer super Mischung. Rein rechnerisch ergibt sich eine 7. Da die einzelnen Noten meiner Meinung nach den Gesamteindruck nicht richtig widerspiegeln, mache ich von meinem Recht Gebrauch, die Note um einen Punkt anzuheben. 8

Abschließend danke ich Kosmos für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.